Der Ende des 19. Jahrhunderts entstandene
Film entwickelte sich bald vom Jahrmarktsvergnügen zu einem bedeutenden
Massenmedium. Früh erkannten Staatsmacht und Wirtschaftgrößen
die Macht des Bildes und Films als Aufklärungs- und Beeinflussungsmittel.
Bereits kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges informierten Kriegswochenschauen
(Messter-Woche), danach auch Kriegsspielfilme, die die Bevölkerung
für den Krieg einnehmen sollten.
Nach Kriegsende erlebte der deutsche Film durch
die 1917 gegründete Universum Film AG (UFA) große, auch internationale
Erfolge. Der deutsche Filmexpressionismus revolutionierte mit seinem Szenenbild,
seiner Figur-Raum-Beziehung
und seiner Licht- und Kameraführung die filmischen Möglichkeiten.
Psychoanalyse und die Beschäftigung mit dem Unterbewusstsein beeinflussten
diese Zeit der dämonischen Leinwand, die in Folge von verlorenem Krieg,
Revolution und Wirtschaftskrise die gesellschaftliche Schieflage widerspiegelte.
So stellten die Herren oft bedrohliche Bösewichter und gespaltene
Persönlichkeiten (Dr. Calligari, Dr. Mabuse) dar. Bei den Frauen setzte
sich Mitte der 20er Jahre als neuer Frauentyp das kesse Girl mit
Pagenfrisur (Ossi Oswalda, Lya de Putti) durch. Es begann die Zeit der
Stars mit Kultstatus.
Als ab 1928 die ersten deutschen Tonfilme
auf den Markt kamen, gerieten bisherige Größen
wie Asta Nielsen in Vergessenheit oder rückten wie Henny Porten und
Pola Negri in die 2. Reihe. Seit der Wirtschaftskrise verkörperten
die Schauspieler nun zunehmend den Typ des guten Kumpels (z.B. Willy Fritsch)
oder netten Fräuleins (z.B. Lilian Harvey) von nebenan, praktische
Vorbilder als Wegbegleiter in schwieriger Zeit. Insgesamt war das Angebot
trotz einer Dominanz musikalischer Filme (neues Genre: Filmoperette) vielfältig:
Krimis, Komödien, Abenteuerfilme - meist leichte bis frivole Unterhaltung.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten
verloren die deutschen Filme ihre internationale Bedeutung.
Jüdische Filmschaffende wurden entlassen und verfolgt. Viele (wie
Peter Lorre, Fitz Lang) flohen ins Ausland. Produktionen mit "rein deutschem
Charakter" standen nun auf dem Programm. Mithilfe staatlicher Zensur und
schließlich der Verstaatlichung der Filmindustrie 1937 wurde das
gesamte Filmschaffen genauestens überwacht und dirigiert. Produzenten,
Regisseure und Stars dienten nun als Werkzeuge des Regimes, wobei
die Besetzung sich nach konformer Gesinnung richtete. Allerdings wurden
offensichtliche Propagandafilme wie "Hitlerjunge Quex" vom
Publikum gemieden. Goebbels, als Propagandaminister zuständig für
die Filmproduktionen, setzte auf subtilere ideologische Manipulation. Dabei
wurden historische Tatsachen als Folie für aktuelle nationalsozialistische
Aussagen umfunktioniert und verfälscht wie bei "Jud Süß",
wo aus dem für die Emanzipation seiner Glaubensgenossen kämpfenden
jüdischen Geschäftsmann ein heimtückischer Verräter
wird. Durch vielzählige Unterhaltungsfilme (90 Prozent der Gesamtproduktion)
sollte die Bevölkerung (insbesondere während des Krieges) bei
Laune gehalten werden. Dort entfiel der "Deutsche Gruß", um das Kinoglück
nicht zu zerstören. Hinweise auf Zeitstimmungen oder aktuelle Anspielungen
blieben weitgehend ausgespart. Der Rückzug aus der uniformierten Gegenwart
bedeutete aber nicht, dass diese Filme harmlos und neutral waren. In den
Musikfilmen ist z.B. der Gleichschritt der Revue-Paraden ebenso auffällig
wie Schlager, die die Zeitsituation spiegeln und eine bestimmte Einstellung
propagieren (Zarah Leander: "Ich weiß, es wird einmal einmal ein
Wunder geschehen"). Mit der Wende des Kriegsgeschehens 1942 wurde
das Kino immer mehr Zufluchtsstätte vor der Wirklichkeit.
Nach Kriegsende überwachten und bestimmten
die Besatzungsmächte neue deutsche Filmproduktionen. Unter Kontrolle
der Militärregierungen entstanden nun "Trümmerfilme", die
sich kritisch mit der nationalsozialistischen Zeit auseinandersetzten und
moralische Verantwortung einforderten (z.B. "Die Mörder sind unter
uns", "In jenen Tagen"). Das deutsche Publikum bevorzugte jedoch leichte
amerikanische und alte deutsche Unterhaltungsfilme aus der NS-Zeit, die
bald wieder gezeigt wurden. |